Du Aller Menschen Gott Und Herr


Du, aller menschen Gott und Herr!
Dich will ich kindlich loben:
Du bist mein Gott nicht weniger,
Als deß den du erhoben.

Du setztest mich in einen stand,
Den sorgen stets begleiten.
Ich habe nichts, als diese hand,
Mein brad mir zu bereiten.

Doch ferne sey der stolz von mir,
Dich, Schöpfer, anzuklagen!
Auch diesen muth hab ich von dir,
Mein schwer geschick zu tragen.

Und dieß vertrau’n auf diene huld,
Und diese ruh der seele,
Womit ich kindlich, voll geduld,
Dir Vater, mich empfehle.

Du knüpfst ein glück an meinen fleiß,
Konntst du mir grössers geben?
Gesundheit ist der mühe preiß,
Und arbeit stärkt das leben.

Der hunger kennt des essens lust;
Der schlaf labt nur den müden.
Dies glück ist vielen unbewust;
Mir hast du es beschieden.

Von dir erbitt; ich reichtum nicht,
Nicht freyheit von geschäften:
Gib nur zur übung meiner pflicht
Ein nöthig maaß von kräften.

Die güter dieser welt sind dein:
Du theilst; wer kans verstehen?
O laß mein aug nicht neidisch seyn,
Nach andrer glück zu sehen!

Laß mich mit frommer redlichkeit
Mein tagwerk treu verwalten;
Und die von mir verschwend’t zeit
Für einen diehstahl halten!

Ist mein lohn täglich aufgezehrt,
So laß mirs doch nicht grauen!
Der sperling lebt, von dir genährt:
Sollt’ ich dir nicht vetrauen?

Mein herz soll, wenn die arbeit winkt
Voll andacht die begegnen:
Und wenn die sonne niedersinkt,
Gott, deine güte segnen.

Sey mein Erhalter, wenn den greis
Die kräfte einst verlassen:
Im alter wollst du meinen fleiß,
O Gott, nicht darden lassen!

Oft gönnest du mit einen blick
Ins land der ruh und freuden:
Wie wunderbar wirst du das glück
Des armen dort entscheiden?

Einst nah’ ich mich mit heiter keit
Dem schlust von meinen tagen:
Mir wird dann zur erwünschten zeit
Die feyerstunde schlagen.