Gott Lebt Wie Kann Ich Traurig Sein


Gott lebt, wie kann ich traurig sein,
als wär kein Gott zu finden?
Er weiß ja wohl von meiner Pein,
die ich hier muß empfinden.
Er kennt mein Herz
und meinen Schmerz,
so darf ich nicht verzagen,
und ihm nur Alles klagen.

Gott hört, wenn Niemand hören will:
was will der Feind denn sprechen,
als würde meiner Seufzer Ziel
nicht durch die Wollen brechen?
Schrei ich empor,
so hört sein Ohr,
so steigt die Hülfe nieder,
und schallt das Amen wieder.

Gott sieht, wie klaget denn mein Herz,
als seh er nicht mein Weinen?
Vor ihm muß auch der tiefste Schmerz
ganz offenbar erscheinen.
Kein Thränlein fehlt,
so er nicht zählt,
und ins Register setzet,
bis er uns drauf ergötzet.

Gott führt so geh ich immer fort
auf allen meiner Wegen;
und wenn die Welt durch List und Mord
will ihre Stricke legen,
so pflegt er mich
zwar wunderlich,
doch selig auch zu führen,
das mich kein Fall kann rühren.

Gott giebt, und wär ich noch so arm,
doch soll ich nicht verderben.
Was hilft mir denn mein steter Harm,
als müßt ich Hungers sterben?
Er hat so Brod,
und wenn die Roth
uns nach der Wüsten weiset,
doch werden wir gespeiset.

Gott liebt,ob ich die Vaterlieb
in Schlägen nicht gleich finde;
wie er ein lieber Vater blieb
am Kreuz bei seinem Kinde,
so bleibt er mir mein Vater hier,
der je und je mich liebet,
obgleich sein kreuz betrübet.

Gott ebt, wohlan, ich merke das.
Gott Hört, ich will’s ihm sagen.
Gott sieht, er hat ein Thränenmaaß.
Gott führt, ich darf nicht klagen.
Gott giebt und liebt:
nur unbetrübt!
Er wird mir endlich geben,
auch dort mit ihm zu leben.