Guter Hirte Willst Du Nicht


Guter Hirte! willst du nicht
Deines schäfleins dich erbarmen,
Und nach deiner hirtern pflicht,
Tragen heim auf deinen armen?
Willst du mich nicht aus der quaal
Hoen in der freuden-saal?

Schau, wie ich verirret bin
Auf der wüste dieser erde;
Komm und bringe mich doch hin
Zu den schafen deiner heerde;
Führ mich in den schaafstall ein,
Wo die heil’ge lämmer seyn.

Mich verlangt, dich mit der schaar,
Die dich loben, anzuschauen,
die da weiden ohn gefahr
Auf den fetten himmels-auen,
Die nich mehr in fursten stehn,
Und nich können irre gehn.

Denn ich bin hier sehr bedrengt,
Muß in steten sorgen leben,
Weil die feinde mich umschrenkt,
Und mit list und macht umgehen,
Daß ich armes schäfelein
Keinen bleck kan sicher seyn.

O Herr Jesu! laß mich nicht
In der wölfe rachen kommen,
Hilf mir, nach der hirten pflicht,
Daß ich ihnen werd entnommen:
Hole mich, dein schäfelein,
In den ew’gen schaafstall ein.