Hilf Lieber Gott Wie Grosse Noth


Hilf, leiber Gott! wie grosse noth
Hat unsre zeit betroffen!
Ob uns gleich nichts als unglück droht,
Will man dochs beste hoffen:
Man saget allenthalben frey,
Daß es so bös mit uns nicht sey:
Wir sind ja gute christen.

Ein jeder lebt in sünden fort,
Und will sich nicht bekehren:
Man thtu nicht nach des Herren wort,
Man läßt es nur beym hüoren:
Genug daß man zur kirche hält,
Dabey in sünde tiefer fällt,
Das soll Gott dienen heissen.

Ey, denker man, man kan doch nicht,
Wie Gottes wort will, leben;
Es ist uns wohl ein helles licht,
Wir sollen darnach streben;
Es wär wohl gut und stünde sein;
Doch kan man nicht vollkommen seyn,
Wir sind gar schwacht menschen.

Man tröstet sich: Christ ist für mich,
Das glaub ich, ja gestorben,
Hat mir durchst leiden mildiglich
Die seligkeit erworben,
Den himmel durch sein blut erkauft,
so bin ich auch auf ihn getauft,
Soll ich nicht selig werden?

Ja freylich, so dein glaub ist recht,
So kanst du dis auch hoffen,
Der macht allein vor Gott gerecht,
Und zeigt den himmel offen;
Doch hat der glaub die buß zum grund,
Er steht mit Gott im vesten bund,
Nach seinem wort zu leben.

Folgt dieses auf den glauben nicht,
Daß man im ganzen leben
Sich nach des Herren willen richt’t,
So ist der glaub nicht eben:
Er ist ein traum und falscher wahn,
Es geht der mensch auf breiter bahn,
die zur verdamm, niß führet.

Für uns ist Christi reines blut
Zum lösegeld gegeben,
Doch kommt es denen nicht zu gut,
Die nach dem fleische leben.
Wer hier der sünde nicht abstirbt
Durch Christi tod, ach, der verdirbt
In seinen sünden ewig.

Das dünket manchem allzuhoch,
Er will nichts davon hüoren,
Er stehts an als ein schweres joch,
Und hälts für neue sehren.
Denkt: ja wenn dem es also wär,
So wären viel verdammt bisher,
Und wenig selig worden.

Sagt aber nicht des Herrenwort.
Das wenig auserwählet?
So steht auch von der engen pfort,
Daß Christus wenig zählet,
Die richtig durch dieselbe gehn,
Und auf dem schmalen wege stehn,
Daß sie zum leben kämen.

Und endlich will auch mencher nicht
Von wahrer busse hören,
Er schiebt es immer auf, und spricht;
Ich will mich noch bekehern;
Jetzt hab ich dis und das zu thun;
Ich kan noch nicht, wi ich will, ruhn;
Es soll noch wohl gut werden.

O lieber mensch! Was denkest du?
Des liebste Vaters arme
Sind ausgestreckt, er ruft dir zu,
Daß er sich dein erbarme
Wie oft ist schon durch seine macht
Dir dein gewissen aufegewacht?
Und du willst doch nicht hören.

O sünder! widerstrebe nicht,
Wenn dich der Vater ziehet,
Wenn ihm zu dir sein angesicht
In heisser leibe glühet:
Gewiß, er meynt es gut mit dir
Er will mit gnade für und für
Dich reichlich übergiessen.

Nur feufze, flehe, kämpf und ting,
Er will die wunden heilen;
Die seligkeit ist nicht gering,
Die er dir will mittheilen:
Mach dich von dein en sünden los,
So will er dich auf seinem schooß
In süsser lieb umarment.

Sein himmel soll dir offen stehn,
Mit lauter freud und wonne:
Er will in dir mit kraft auf gehn,
Zur lust, zur freud, zur sonne;
Dan solft du freudig seins bahn
Fortlaufen, und stets himmelan
Mit deinem herzen steigen.

O mensch, o mensch! was säumest du,
Dem Herrn dich zu ergeben?
Du findest doch sonst keine ruh
Om deines fleisches leben;
drum reiß das sünden-band entzwey,
Laß Jesum christ dich machen frey,
So solft du ewig leden.