Hirte Deiner Schafe


Hirte deiner Schaafe,
der von keinem Schlafe
etwas wissen mag:
deine Wundergüte
war mein Schild und Hüte
den vergangnen Tag.
Sei die Nacht auch auf der Wacht,
und laß mich von deinen Schaaren
um und um bewahren.

Decke mich von oben
vor der Feinde toben
mit der Vaterhuld;
ein versöhnt Gewissen
sein mein Ruhekissen:
drum vergieb die Schuld.
Denn dein Sohn hat mich davon
durch die tiefgeschlagnen Wunden
gnädiglich entbunden.

Laß auch mine Lieben
keine Roth betrüben:
sie sind mein und dein.
Schließ uns mit Erbarmen
in die Vaterarmen
ohne Sorgen ein.
Du bei mir, und ich bei dir,
also sind wir ungeschieden
und ich schlaf in Freiden.

Komm, verschließ die Kammer,
und laß allen Jammer
ferne von uns sein,
Sei du Schloß und Riegel;
unser deine Flügel
nimm dein Küchlein ein;
decke zu mit nichten grauen
vor des Satans Klauen.

Wie, wenn ich meine Bette
heut zum Grabe hätte?
Wie bald roth, bald todt!
Drum, hast du beschlossen,
daß meine Ziel verflossen,
kommt die Todesnoth,
so will ich nicht wider dich:
lieg ich nur in Jesu Wunden,
sterb ich alle Stunden.

Nun wohlan, ich thue
in vergnügter Ruhe
Mund und Augen zu.
Seele, Leib und leben
hab ich dir ergeben,
o du Hüter, du!
Gute Nacht! nimm mich in Acht;
und erleb ich ja den Morgen,
wirst du weiter sorgen.