Ich Bin Ein Gast Auf Erden Und Hab


Ich bin ein Gast auf Erden
und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden;
da ist mein Vaterland.
Hier reis ich aus und abe;
dort in der ewgen Ruh
ist Gottes Gnadengabe;
die schleußt all Arbeit zu.

Was ist mein ganzes Wesen
von meiner Jugend an,
als Müh und Noth gewesen?
So lang ich denken kann,
hab ich so manchen Morgen,
so manche liebe Nacht
mit Kummer und mit Sorgen
des Herzens zugebracht.

Mich hat auf meinen Wegen
manch harter Sturm erschreckt;
Blitz, Donner, Wind und Regen
hat mir oft Angst erweckt;
Verfolgung, Haß und Neiden,
ob ich’s gleich nicht verschuldt,
hab ich doch müssen leiden
und tragen mit Geduld.

So ging’s den lieben Alten,
an deren Fuß und Pfad
wir uns noch täglich halten,
wenn’s fehlt an gutem Rath;
wie mußte sich doch schmiegen
der Vater Abraham,
eh als ihm sein Vergnügen
und rechte wohnstadt kam!

Wie manche schwere Bürde
trug Isaak sein Sohn!
und Jakob, dessen Würde
stieg bis zum Himmelsthron,
wie mußte der sich plagen;
in was für Weh und Schmerz,
in was für Angst und Zagen
sank oft sein armes Herz!

Die frommen heilgen Seelen,
die gingen fort und fort
und änderten mit Quälen
den erst bewohnten Ort;
sie zogen hin und wieder,
ihr Kreuz war immer groß,
bis daß der Tod sie nieder
legt in des Grabes Schooß.

Ich habe mich ergeben
in gleiches Glück und Leid;
was will ich besser leben,
als solche große Leut?
es muß ja durchgedrungen,
es muß gelitten sein;
wer nicht hat wohl gerungen,
geht nicht zur Freud hinein.

So will ich zwar nun treiben
mein Leben durch die Welt;
doch denk ich nicht zu bleiben
in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straßen,
die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maaßen
mein Vater trösten wird.

Mein Heimat ist dort droben
da aller Engel Schaar
den großen Herrscher loben,
der Alles ganz und gar
in denen Händen träget,
und für und für erhält,
auch Alles hebt und leget,
nachdem’s ihm wohlgefällt.

Zu dem steht mein Verlangen,
da wollt ich gerne hin;
die Welt bin ich durchgangen,
daß ich fast müde bin.
Je länger ich hie walle,
je wen’ger find ich Freud,
die meinem Geist gefalle,
das meist ist Herzeleid.

Die Herberg ist zu böse,
der Trübsal ist zu viel.
Ach! komm, mein Gott, und löse
mein Herz, wenn dein Herz will,
komm, mach ein seligs Ende
an meiner Wanderschaft,
und was mich kränkt, das wende
durch deinen Arm und Kraft.

Wo ich bisher gesessen,
ist nicht mein rechtes Haus.
Wenn mein Ziel ausgemessen,
so tret ich denn hinaus,
und was ich hie gebrauchet,
das leg ich Alles ab,
und wenn ich ausgehauchet,
so scharrt man mich ins Grab.

Du aber, meine Freude,
du meines Lebens Licht,
du zeuchst mich, wenn ich scheide,
hin vor dein Angesicht,
ins Haus der ewgen Wonne,
da ich stets freudenvoll,
gleich als die helle Sonne,
nächst andern leuchten soll.

Da will ich immer wohnen,
und nicht nur als ein Gast,
bei denen, die mit Kronen
du ausgeschmücket hast.
da will ich herzlich singen
von deinem großen Thun,
und frei von schnöden Dingen
in meinem Erbtheil ruhn.