Ich Bin Ja Herr In Deiner Macht


Ich bin ja, herr! in deiner macht,
Du hast mich an das licht gebracht,
Erhältst mir auch das leben,
Du kennest meiner monden zahl,
Weißt, wenn ich diesem jammerthal
Auch gute nacht muß geben.
Wo, wie und wenn ich sterben soll,
Das weißt du, Vater, mehr als wohl.

Wen hab’ ich nun, als dich allein,
Der mir in meiner setzten pein
Mit trost weiß beizuspringen?
Wer nimmt sich meiner seelen an,
Wenn nun mein leben nichts mehr kann,
Und mit dem tod muß ringen,
Wenn alle sinnenkraft gebricht?
Thust du es Gott, mein Heiland! nicht?

Mich dünkt, da lieg’ ich schon vor mir
In großer hitz’, ohn’ kraft und zier,
Mit herzensangst befallen:
Gehör und reden nehmen ab,
Die augen werden mir ein grab,
Die sünde kränkt vor allen.
Des satans anklag’ hat nicht ruh’,
Setzt mir auch mir vversuchung zu.

Ich höre der posaunen ton,
Und seh’ auch den gerichtstag schon,
Das urtheil mir zu fällen.
Hier weiset mein gewissensbuch,
Da aber des gesetzes fluch
Mich sündenkind zu höllen,
Da, wo man ewig, ewig leid’t,
Ach! jammer, angst und zeter schrei’t.

Kein geld noch gut errettet mich:
Umsonst entbeut ein bruder sich
Den andern los zu machen,
Er muß es ewig lassen steht;
Wir werden ewig nicht entgehn,
Kriegt uns der höllen rachen.
Wer hilft mir sonst in dieser noth,
Wo du nicht, Gott! du todes tod?

Der teufel hat nicht macht an mir,
Ich habe blos gesündigt dir,
Dir, der du sünd’ vergiebest.
Was maßt sich satan dessen an,
Der kein gesetz mehr geben kann,
Nichts dran hat, das du liebest?
Er nehme das, was sein ist, hin,
Ich weiß, daß ich des Herren bin.

Herr Jesu! ich dein theures gut,
Bezeug’ es selbst mit deinem blut,
Der sünd’ ich nicht gehöre:
Was schont der satan meiner nicht,
Und schreckt mich durch das zorngericht?
Rett’ deines leidens ehre.
Was giebest du mich fremder hand,
Und hast so viel an mich gewandt?

Nein, nein! ich weiß gewiß, mein heil!
Du lässest mich, dein wahres theil,
In deinen wunden sitzen;
Hier lach’ ich aller macht und noth,
Es mag gesetz, höll’, oder tod,
Auf mich mit donner blitzen.
Dieweil ich lebte, war ich dein,
Jetzt kann ich keines andern sein.