Ich Danke Dir Liebreicher Gott


Ich danke dir, liebreicher Gott!
Daß du mich heut’ für schand’ und spott
Und schweren fällen hast behüt’t,
Es kömmt von deiner gnad’ und güt’.
Mein ganz verderben ist aus mir,
Mein heil das kömmt allein von dir.

Wenn du nicht hättest mir gereicht,
Herr! deine hand, wär’ ich gar leicht
Gefallen auch so tief in sünd’,
Als sonsten andre menschenkind;
Ohn’ deine hülf und gnadenhand
Fällt auch der frömmst’ in sünd’ und schand’.

Doch bin ich gar nicht engelrein,
Ich find’, Herr Jesu! stets das mein’,
Den alten Adam ich noch spür’,
Der mich anreizet für und für,
Daß ich mein herz, begierd’ und sinn,
Zur eitelkeit soll neigen hin.

Ich klag’ an mein’ unachtsamkeit
Vor dir, o Gott! mit reu’ und leid,
Wie du auch selber hast gesehn,
Was oft aus schwachheit ist geschehn.
Den innern menschen hab’ ich nicht
Mit fleiß verwahrt nach meiner pflicht.

Den sinnen hab’ ich oft zu weit
Den zaum gegönnt zur eitelkeit:
Ich habe viel gered’t, gedacht,
Gehört, gesehen und vollbracht,
Was mir nicht wohl gestanden an,
Und ich nicht alles wissen kann.

Aus gnaden alles mir vergib,
Verbrenn’s im feuer deiner lieb’,
Du bist voll heiligkeit und gnad’,
Was mir noch fehlt, für mich erstatt’.
Dein blut mich wasche, daß ich werd’
So rein, als mich dein herz begehrt.

Ich dank’ auch, liebster Jesu! dir
Für alle gaben, die du mir
Erzeiget hast von kindheit auf
Bis zu der stund’ in großem hauf’,
Du hast mir so viel gut’s gethan,
Daß ich’s nicht all’ erzählen kann.

Ich bitte, halt auch gnädiglich
Dein’ augen offen über mich,
Daß mcih der feind mit list und macht
Nicht überfall’ in dieser nacht.
Behüt’ für unglück seel’ und leib,
Gefahr und noth weit von mir treib’.

Gib! daß ich nach gepflogner ruh’
Erwach’, aufsteh’ und freudig thu’,
Was du hast anbefohlen mir,
Und einen guten wandel führ’:
Mein deinem Geiste steh’ mir bei,
Daß nichts verdammlich’s an mir sei.

Für einem bösen, schnellen tod,
O du liebreicher, frommer Gott!
Mich heunt und jederzeit bewahr’:
Laß bei mir sein der engel schaar,
Daß satanas und sein gesind’
An mir ja keine macht nicht find’.