Ich Komm Jetzt Als Ein Armer Gast


Ich komm jetzt als ein aremer gast,
O Herr, zu deinem tische,
Den du für mich bereitet hast,
Daß er mein herz erfrische,
Wann mich der sseling hunger nagt,
Wann mich der durst des geistes plagt,
Bis ich den schweiß abwische.

Nun sprichst du, seelen-bischof, dort:
ich bin das brod zum leben,
Dis brod treibt auch den hunger fort,
Den sonst nichts mag uafheben.
Ich bin der brunn, wer glaubt an mich,
Dem wird der durst nicht ewiglich,
Im herzen stiche geben.

Drum führe mich, o treuer hirt!
Auf deine himmels-auen,
Bis meine seel erqucket wird,
Wann du sie lässest schauen
Die ströme deiner gütigkeit,
Die du für alle hast bereit,
Die deiner güte trauen.

Ich armes schäflein suche dich
Auf deinen grünen weiden,
Dein lebens-manna speise micht,
Zu trost in allem leiden;
Es tränke mich dien theures blut,
Auf daß mich ja kein falsches gut
Von deiner liebe trenne.

Gleich wie des hirsches mattes herz
Nach frischem wasser schreyet,
So schreyet auch mein seelen schmerz:
Ach! laß mich seyn befreyet
Von meiner schweten sünden-pein,
Und schenke mir die trost-fluth ein,
Damit ist mir gedienet.

Vor allen dingen würk in mir
Ein ungefärbre teue,
Daß wie für einem wilden thier
Ich mich für s¨¨nden scheue;
Zieh mir den rock des glaubens an,
Der dein verdienst ergreisen kan,
Damit mein herz sich freue.

Endzünd in mir die andachts-brunst,
Daß ich die welst verlasse,
Und deine treu und bruder-gunst
In dieser speise fasse,
Daß ducrh dein lieben lieb in mir
Zu meinem hächsten wachs herfür,
Und ich fort niemand hasse.

Ach! führe mich nur selbst von mir,
Bey mir ist nichts dann sterben:
Nim aber mich, O Herr, zu dir,
Bey dir ist kein verderben,
In mir ist lauter höllen-pein,
In dir ist nichts dann selig seyn,
Mit allen himmels-erden.

Erneure mich, o lebens-stab!
Durch deines Geistes triebe,
Das ich die sünde lege ab,
Im guten mich stets übe;
Regiere meinen trüaten sinn,
Daß er die lüste werfe hin
Die er sonst pflegt zu haben.

So komm nun, o mein seelen-schatz!
Und laß dich freundlich küssen;
Mein herze gibt dir raum und platz,
Und will von keinem wissen,
Als nur von dir, mein bräutigam,
Dieweil du mich am creutes-stamm
Aus noth und tod gerissen.

Hab, lieber Heiland, grossen dank
Für deine sußigkeiten;
Ich bin für lauter liebe krank,
Drum wart ich auf die zeiten,
In welchen du, o lebens-fürst,
Mich samt den auserwählten wirst
Zur himmels-tafel leiten.