Ich Sterbe Taglich Und Mein Leben


Ich sterbe täglich, und mein Leben
eilt immerfort zum Grabe hin.
Wer kann mir einen Bürgen geben,
ob ich noch morgen lebend bin?
Die Zeit geht hin, der Tod kommt her,
ach wer nur immer fertig wär!

ein mensch, der sich mit Sünden träget,
ist immer reif zu Sarg und Grab;
der Apfel, der den Wurm schon heget,
fällt endlich unversehens ab.
Der alte Bund schließt keinen aus,
mein Leib ist auch in Todtenhaus.

Es schickt der Tod nicht immer Boten,
er kommet oft unangemeldt,
und fordert uns ins Land der Toden;
wohl dem, der Haus und Herz bestellt!
Denn ewigs Glück und Ungelück
hängt nur an einem Augenblick.

Herr aller Herren, Tod und Erden
hast du allein in deiner Hand:
wie lange du mir Frist gegeben,
das ist und bleibt mir unbekannt.
Hilf, daß ich jeden Zeigerschlag
an meinen Abschied denken mag.

Es kann vor Abends anders werden,
als es am Morgen mit mir war;
den einen Fuß hab ich auf Erden,
der andern auf der Todtenbahr;
ein kleiner Schritt ist nur dahin,
wo ich der Würmer Speise bin.

Ein einzger Schlag kann Alles enden,
wenn Fall und Tod beisammen sein;
doch schlage nur mit Vaterhänden,
und schleuß in der Leib zu Boden fällt,
die Seel an Jesu Kreuz sich hält.

Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen,
wenn Auge, Mund und Ohr sich schleußt;
drum bet ich bei gefunden Tagen:
Herr, ich befehl dir meinen Geist.
Verschließen meine Lippen sich,
so schreie Jesu Blut für mich.

Kann ich die Meinen nicht mehr segnen,
so segne du sie mehr als ich;
wenn lauter Thränen um mich regnen,
o Tröster so erbarme dich,
und lasse der Verlaßnen Schrein
durch deinen Trost erhörlich sein.

Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen,
so schließe mir den Himmel auf;
verkürze mir des Todes Schmerzen,
und hole mich zu dir hinauf:
so wird mein Abschied keine Pein,
zwar eilig, dennoch selig sein.