O Jesu Christ Meins Lebens Licht


O Jesu Christ! meins Lebens Licht,
mein Hort, mein Trost und Zuversicht,
auf Erden bin ich nur ein Gast,
und drückt mich sehr Sünden Last.

Ich hab vor mir ein schweren Reis
zu dir ins Himmels Paradeis;
da ist mein rechtes Vaterland,
darauf du hast dein Blut gewandt.

Zur Reis ist mir mein Herz sehr matt,
der Leib gar wenig Kräfte hat;
allein die Seele schreyt in mir:
Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir!

Drum stärk mich durch das Leiden dein
in meiner letzten Todespein:
dein Blutschweiß tröst mich und erquick
mach mich frei durch dein Band und Strick.

Dein Backenstreich und Ruthen frisch
der Sünden Striemen mir abwisch;
dein Hohn und Spott, dein Dornenkron
laß sein mein Ehre, Freud und Wonn.

Dein Durst und Gallentrank mich lab,
wenn ich sonst keine Stärkung hab;
dein Angstgeschrei komm mir zu gut,
bewahr mich vor der Höllen Glut.

Wenn mein Mund nicht kann reden frei,
dein Geist in meinem Herzen schrei.
Hilf, daß mein Seel den Himmel findt,
wenn meine Augen werden blind.

Dein letztes Wort laß sein meine Licht,
wenn mir der Tod das Herze bricht;
behüte mich vor Ungeberd,
wenn ich mein Haupt non neigen werd.

Dein Kreuz laß sein mein Wanderstab,
mein Ruh und Rast dein heilges Grab;
die reinen Grabetücher dein
laß meinen Sterbekittel sein.

Laß mich durch deine Nägelmaal
erblicken die Gnadenwahl;
durch deine aufgespaltne Seit
mein arme Seele heimgeleit.

Auf deinen Abschied, Herr, ich trau,
darauf meine letzte Heimfahrt bau.
Thu mir die Himmelsthür weit auf,
wenn ich beschließ mein’s Lebens Lauf.

Am jüngsten Tag erweck den Leib;
hilf, daß ich dir zur Rechten bleib,
daß mich nicht treffe dein Gericht
welch’s das erschrecklich Urtheil spricht.

Alsdann mein Leib erneure ganz,
daß er leucht wie der Sonne Glanz
und ähnlich sei dein’m klaren Leib,
auch gleich den lieben Engeln bleib.

Wie werd ich dann so fröhlich sein,
werd singen mit den Engelein
und mit der auserwählten Schaar
ewig schauen dein Antlitz klar!