Oeffne Mir Die Perlenthore


Oeffne mir die Perlenthoren,
o du Schmuck der Himmelsstadt,
Licht vom Licht zum Lict erkoren,
eh die Welt den Anfang hatt’.
Eile, Liebster, heimzuführen
meine Seele, deine Braut,
die du dir hast anvertraut.
Laß mich diese Klarheit zieren,
wo mich keine Sündenmacht
mehr betrübt und traurig macht.

Ich lieg schon in deinen Armen
durch den glauben festgeschränkt,
und durch deiner Lieb Erbarmen
wird mir Freude eingeschenkt,
die nach Himmelsmanna schwecket,
das du in der Ewigkeit
meiner Seele hast bereit’t.
Aber diese Lust erwecket
Durst, den nichts, mein Gott, als du
sättiget in voller Ruh.

Es verlanget mich, zu sehen
ohne Decke dein Gesicht,
und von Sünden frei zu stehen,
reines Lamm! in deinem Licht,
doch ich will dir nichts vorschreiben,
und mein Himmel ist schon hier,
wirst du meiner Seele Zier,
nur mit mir vereinigt bleiben;
denn wie sollt doch ohne dich
Himmelslust vergnügen mich?

Du bist meiner Seelen Wonne,
wenn mich Angst betrüben will,
mein Herz nennt dich seine Sonne,
und das Sorgenmeer wird still,
wenn mir deine Blicke lachen,
deren lieberfüllter Strahl
trennet alle Noth und Qual;
du kannst mich vergnüget machen,
in dir hab ich Himmelsfreud,
außer dir Verdruß und Leid.

Laß mich, Baum des Lebens! bleiben
an dir einen grünen Zweig,
stärker werd und höher steig,
auch im glauben Früchte bringe;
und versetz mich nach der Zeit
in das Feld der Ewigkeit,
da ich mich in dir verjünge,
wenn des Leibes welkes Laub
wieder grünt aus seinem Staub.

Gieß indessen in die Seele
deinen süßen Lebenslast,
Leben! dem ich mich vermähle,
und laß deiner Liebe Kraft
mich ganz gnadenvoll erlaben;
bleibe mein, ich bleibe dien,
dein will ich auf ewig sein.
Dich, mein Jesu! will ich haben,
Erd und Himmel acht ich nicht
ohne dich, mein Trost und Licht!