Verborgner Gott Dem Nichts Verborgen


Verborgner Gott! dem nichts verborgen,
Was auf der ganzen welt geschicht:
Was solt ich, wie ein beide sorgen,
Als wüstest du mein elend nicht?
Verbirget gleich dein antlitz sich,
Dein herz meynt es doch väterlich.

Mich und mein loos hast du gesehn,
Als ich noch nicht geboren war,
Und was mir künftig soll geschehen,
Stellt sich dir gegenwärtig dar.
Dein auge siehet aus der höh,
Und kennt mich, wo ich geh und steh.

Du weißst auch, was ich nöthig habe,
Und gibst mir mein bescheiden theil,
Ja, alles Herr! ist deine gabe;
Du sorgest täglich für mein heil.
Woran ich gut noch nicht gedacht,
Hast du schon alles gut gemacht.

Ach! soltest du denn nicht erkennen,
Wenn kummer, angst und noth mich quält?
Wer muß dich nicht barmherzig nennen?
Du bist es, der die thränen zählt.
du hasts gesagt, dir bricht dein herz,
Trist deine kinder noth und schmerz.

So laß mich doch von herzen glauben,
Daß deine augen auf mich sehn;
Laß nichts den süssen trost mir rauben,
Du werkest auf mein kindlich stehn,
Vertreibest bald durch deine macht
Der bangen sorgen dunkle nacht.

Du wirst dein wort gewiß erfüllen;
Du hast mir hüllfe zugesagt,
Ja, du wirst meinen kummer stillen;
Ich bin getrost und unverzagt,
Es wird geschehn, ich zweifle nicht,
Du bist meine Gott, mein heil aund licht.