Vorbild Wahrer Menschenliebe


Vorbild wahrer Menschenliebe!
Jesu deines mitleids triebe!
Zogen dich herab auf erden,
Der verlornen heil zu werden,
Und für sie sogar dein leben
In den Tod dahin zu geben.
Wo ist jemand, der die größe
Deiner lieb und Huld ermesse!

Ohne verteil zu begehren,
Sich in anderer dienst verzehren,
Jedem gerne gut’s erzeigen,
Zu Beleidigungen schweigen,
Auch an seinden Wohltat üben;
Das heißt menschen göttlich lieben.
Und wie voll von solcher gute,
War, Erlöser, dein Gemüthe!

O du Zuflucht der elenden!
Wer hat nicht von deinen Händen,
Auf sein redliches verlangen,
Hülfe, ruh’ und Trost empfangen?
O wie pflegtest du zu eilen,
Das erbetene zu erteilen!
Freude war dirs, Seligkeiten
Schon auf erden auszubreiten.

Menschenseelen zu beglücken,
Reherfüllte zu erquicken,
Unverständige zu belehren,
Abgewichene zu bekehren,
Sünder, die sich selbst verstocken,
Liebreich zu dir hinzulocken:
War dein tägliches Geschäfte,
Selbst mit Schwächung deiner träfte.

Und wie hoch ist dein erbarmen,
Da du, mittler, von uns armen
Gottes strasen abzuwenden,
Unter frecher Mörder Händen
Angst und unerhörte schmerzen
Littest mit gelass’nem herzen;
Als ein Missetäter starbest,
Und uns ew’ges heil erwabest.

Deine Huld hat dich getrieben,
Sanftmut und Geduld zu üben,
Haß mit haß nicht zu vergelten,
Deine schmähet nicht zu schelten,
Allen freundlich zu begegnen,
Die dich lästerten, zu segnen,
Deine Mörder zu vertreten,
Und für sie zu Gott zu beten.

Demuth war bey Spott und höhne
Deiner tugend schmuck und krone;
Nie hast du nach Ruhm getrachtet,
Noch auf menschen lob geachtet.
Deines vaters heil’gen willen
Mit gehorsam zu erfüllen,
Uns zum Himmel zu erheben,
War der zweck von deinem leben.

Laß mich, Herr, zu meinem segen
Deinen Wandel oft erwgen:
Laß mich in der angst der sünden
Trost und Hilfe bey dir sinden!
Heilige auch meine triebe
Zu rechtschaff’ner Menschenliebe!
Laß mich immer mehr auf erden
Deinem bilde ähnlich werden!