Wenn Gott Von Allem Boesen


Wenn Gott von allem bösen
Und dieser lebensnoth
wird meine seel’ erlösen
Durch einen sel’gen tod,
Daß ich werd’ aufgenommen
Groß, herrlich, himlisch, rein,
Hoch in die zahl der frommen,
Wie selig werd’ ich sein.

Mein mund wird nichtz als lachen,
Und meiner zungen klang
Wird nichts als lieder machen,
Gott, unserm heil, zu dank;
Ihm werd’ ich ehre bringen:
Von seiner werke zahl
Wird ehilig wieder klingen
Der ganze himmelssaal.

Herr! wende mein verlangen,
Daß ich der bande frei,
Darin ich bin gefangen,
Und ganz mein eigen sei:
So lang ich hier muß leben,
So bin ich immerzu
Mit sünden nur umgeben,
Und finde keine ruh’.

Was dein gesetz mir zeiget,
Belustigt meinen geist;
Doch ist mein fleisch geneiget
Zum argen allermeist;
Ich kann mich oft nicht retten
Für wünschen und begier,
Und schrei’ in diesen ketten:
Ach Gott, wer hilfet mir!

Vom jammer, der ich treibe,
Von meines fleisches streit
Und dieses todes leibe
Ist niemand, der mich frei’t?
Doch will ich alles leiden,
Wenn du, o Gott! nur nicht
Dich wollest von mir scheiden
Mit deinem angesicht.

Laß deinen Geist mich stärken,
Mach’! daß ich überall
Kann seinen beistand merken;
So fürcht’ ich keinen fall.
Und ob ich lang’ muß weinen
So wird die sonne mir
Um so viel heller scheinen
Mit unbewölkter zier.

Hier muß ich samen streuen
Mit thränen vieler pein,
Dort werd’ ich wonne meien,
Der ende nie wird sein:
Hie muß ich traurig singen
Und klagen meine zeit,
Dort werd’ ich garben bringen
In ew’ger herrlichkeit.