Wie Kurz Ist Doch Der Menschen Leben


Wie kurz ist doch der Menschen Leben,
wie elend wird man weggerafft!
Wir sind mit Sterblichkeit umgeben,
darum verseigt der Lebenssaft.
Wir blühen auf und fallen ab,
wir steigen aus der Wieg ins Grab.

Wohl aber dem, der so erstirbet,
daß ihm sein Sterben nicht betrübt,
den Gott entrückt, eh er verdirbet,
und ihm ein besser leben giebt,
ein Leben in dem Paradeis,
da man von keinem Jammer weiß.

Ach weinet nicht, daß ich gestorben,
ich habe ja nun ausgekrankt;
was mir mein Jesus hat erworben,
das hab ich in dem Tod erlangt,
ich bin an einen Ort gebracht,
da meine Seel im Frieden lacht.

Wie lieblich schmeckt mir doch der Himmel,
wie süße spricht mir Jesus zu!
Hier schrecket mich kein Angstgetümmel,
ich wohne hier in stolzer Ruh;
ich habe für ein kurzes Leid
erlangt den Schatz der Ewigkeit.

Je schneller ich von euch gewichen,
je eher bin ich nun bei Gott,
mein Körper, welcher ganz verblichen,
der schläfet nur, und ist nicht todt.
Gott hat mir Sicherheit verschafft,
und mich vorm Unblück weggerafft.

Wie wohl bin ich doch aufgehoben,
wie wohl hat mich doch Gott versorgt!
Ich will dafür ihn ewig loben,
denn ich war euch doch nur geborgt;
mein Gott hat mich der Welt entwandt
und mir den Himmel zuerkannt.

Ei gönnet mir doch das Glücke,
das größer ist, denn ihr gedenkt,
enthaltet euch der Thränenblicke,
ich werde hier mit Trost getränkt,
ach mäßigt doch das bittre Leid,
ich bin in großer Herrlichkeit.

Verwelkt der leib gleich in der Erden,
er wird doch künftig wieder blühn,
von Jesu schön verkläret werden,
der wird ihm seinen Glanz anziehn;
da werd ich als ein Engel sein,
deß wird sich euer Herz erfreun.

Ich bin der bösen Welt entflogen,
in welcher ihr euch noch betrübt;
mich hat der Herr zu sich gezogen,
der mich vielmehr, als ihr, geliebt;
ich schaue Jesu Angesicht,
daran gedenkt und weinet nicht.