Wie Sanft Sehn Wir Den Frommen


Wie sanft sehn wir den frommen
Nun bald der erd entnommen,
Sich seinem ziele nahn:
wo sich des lebens freuden
Vom frechen sünder scheiden,
Da gehn des christen freuden an.

Er lächelt seinem ende,
Und habt voll dank die hände
Zu seinem Vater auf,
Der bey der welt verderben
So froh ihn lehrt zu sterben,
Nach einem wohl vollbrachten lauf.

Sein ruhiges gewissen
Bebt nicht vor finsternissen,
Die grab und höll umgiebt!
Dir schreckensvollen pfade
Erleuchtet ihm die gnade
Des Gottes, den er treu geliebt.

Hier fliessen keine thränen
Der angst; hier ächzt kein stöhnen
Der reu, die ihn zerreißt:
Sein herz zu Gott erhoben
Empfängt den trost von oben,
Und fried und freud im heil’gen Geist.

Er segnet froh die seinen,
Die um sein lager weinen,
Ermahnt und tröstet sie;
Und seiner treue wegen
Erfüllt Gott seinen segen,
Und weichest auch von diesen nie.

Die engel steigen nieder;
Voll froher jubellieder,
Die seele zu empfahn:
Er stimmt in ihre chöre
Anbetung, preis und eher
Dem Mittler seinem Heiland an.

Laß Höchster, mich bestreben,
So in der welt zu leben,
Wie man dis glück erwirbt:
Damit ich, einst ein erbe
Der seligkeit, ersterbe,
Wie ein gerechter, frommer stirbt!