Wie Schoen Ist Unsers Koenigs Braut


Wie schön ist unsers Königs braut,
Wenn man sie nur von ferne schaut;
Wie wird sie nicht so herrlich seyn,
So bald sie völlig bricht herein?
Triumph! wir sehen dich, wir singen dir!
Wohl dem, der dich empfängt, du Himmels-Zier.

Sie ist schön ihrem mann geschmückt,
Der ihn den glanz entgegen schickt.
In solchem zierrath fährt die stadt
Herab, wenn sie die zahl voll hat;
So wird der himmel samt der erd verneut,
Die creatur von ihrer last befreyt.

Ich sehe schon im geist zuvor,
Wie Gottes hütte steigt empor:
Hier wohnt Gott selbst den menschen bey,
Sagt, ob dis Gottes stadt nicht sey?
Der kein Jerusalem mit lust bewohnt,
Und seinen bürgern nur mit liebe lohnt.

Hier gilt kein weinen, kläglich thun,
Nun muß geschrey und schmerzen ruhn:
Was noch zur aften wielt gehört,
Ist ganz in grund verstört, verkehrt.
Der auf dem throne sitzt, verkündigt frey;
Seht, lieben, wie mein Geist macht alles neu.

Die braut des Lamms wird vor der zeit
Hierzu verwandelt und verneut:
Und so bestizt sie Gottes ruhm,
Und bleibt des Königs eigenthum;
O güldner stern, wie blitzt dein heller strahl!
Wer weiß der auserwählten bürger zahl?

Die alte sonne scheint da nicht,
Hie glänzet viel ein ander licht
Weil Gottes gröste herrlichkeit,
Des lammes leuchte sie erfreut.
Drum geht der heiden fuß im licht umher,
Hier mehrt der kön’ge ruhm des Königs ehr.

Sie ist von purem gold gebaut,
Und was man auf den gassen schaut,
Ist als ein hell durchscheinend glas,
Als sie der güldne rohr-stab maß.
Ihr temple ist der Herr und auch das Lamm,
Die braut hat tempels gnug am Bräutigam.

Ich grüsse dich, du güldne stadt,
Die thor von lauter perlen hat:
Führ deine mauren hoch hervor,
Sie haben deine pracht empor.
Ich schau dich wohl, denn dich deckt keine nacht.
O! daß ich schon längst wär dahin gebracht!

Wie funkelt da der gründe schein!
Ein jeder ist ein edelstein:
Wie blitzt der engel hoher glanz!
Er überstrahlt die thore ganz.
Da kömmt kein götzen-kencth, kein hurer ein,
Obschon die thore stets eröffnet seyn.

Wie freuet sich mein ganzer sinn,
Daß ich schon eingeschrieben bin
In der verlobten glieder zahl,
Durch meines holden Königs wahl!
Wie gerne mach ich mich mit nichts gemein,
Weil ich ein reines glied der braut will seyn!

Drum überwindt mein glaube weit
Im geist die alte nichtigkeit,
Er wartet auf die neue stadt,
Die lauter neue sachen hat.
Im blut des Lamms ererb ich alles mit:
Das ist der sieg, darum ich sehnlich bitt.

Ach! wundre sich nur niemand nicht,
Daß ich nichts anders mehr verricht;
Die braut kan doch sonst nirgends ruhn,
Sie hat mit ihrem schmuck zu thun.
Wer seinen hochzeit-tag schon vor sich sieht,
Der ist um andern tand nicht mehr bemüht.

Wenn ich nun völlig umgekehrt,
Und klein als wie ein kindlein werd,
So ist Jerusalem nun mein,
Denn solche bürger müssens seyn.
Da fahr ich denn zugleich mit ihr herab,
Und was ich sonst dabey für ehre hab.

Nun ist das alte völlig hin,
Das neu ist da, nach Geistes sinn,
Willkommen, allerliebstes Lamm!
Komm ja sein bald, meine Bräutigam,
Triumph! triumph! victoria
Und ewiges Halleluja.