Zion Gib Dich Nur Zufrieden


Zion! gieb dich nur zufrieden;
Gott ist noch bey dir darin:
du bist nicht von ihm geschieden;
er hat einen Vatersinn.
Wenn er straft, so liebt er auch;
dies ist sein beliebter Brauch:
Zion, lerne dies bedenken;
warum wilst du dich so kränken?

Treiben dich die Meereswellen
in der wilden tiefen See;
wollen sie dich gar zerschellen,
mußt du rufen Ach und Weh;
schweigt dien Heiland still dazu
gleich als in der sanften Ruh:
Zion! laß dich nicht bewegen;
diese Fluth wird bald sich legen.

Berg und Felsen mögen weichen,
ob sie noch so feste stehn;
ja die ganze Welt desgleichen
möchte gar auch untergehn;
dennoch hat es keine Noth
in dem Leben und im Tod;
Zion! du kanst doch nicht wanken
aus des Bundes-Gottes Schranken.

Müssen schon allhie die Thränen
deine schönste Perlen sein;
muß das s=Seufzen und das Stöhnen
sein das beste Liedelein;
muß dein Purpur sein das Blut,
und der Mangel Hab und Gut:
Zion, laß dir doch nicht grauen;
du kanst deinem Gott vertrauen.

Droht man dir mit Schmach und Banden,
mit dem Tod und Herzeleid:
ei du wirst doch nicht zu Schanden,
denk nur an die Ewigkeit.
Sei nur fröhlich, wohlgemuth;
denn der Herr ist’s, der es thut:
Zion! Gott wird dich schon stärken;
dieses mußt du eben merken.

Freue dich; es ist das Ende
und der abend schon herbei;
gieb dich nur in Gottes Hände,
der dich nun will machen frei.
Für die Trübsal, Spott und Hohn,
giebt er dir die Freudenkron:
Zion, du wirst wieder lachen;
drum so laß die Welt nur machen.

Hallelujah! deine Wonne,
liebes Zion wird nun groß;
denn die schöne Gnadensonne
nimmt dich recht in ihren Schooß,
giebt dir einen Freudengruß
und den rechten Liebeskuß:
Zion! wo ist nun dein Klagen?
Jetzt kunst du von Freuden sagen.

O ihr Engel, Himmelserben,
freuet euch mit Zion hier!
Denn die jetzt hat wollen sterben,
soll nun leben für und für
und sich freuen ohne Zahl
in dem schönen Himmelssaal:
Zion! wer will dich nun scheiden
von dem Lamm und ewgen Freuden?