Zum Bilde Gottes Ward


Zum bilde Gottes ward
der erste Mensch formiret,
und auf das herrlichste
von seinem Gott gezieret:
sein Schmuck und seine Zierd’
war die Gerechtigkeit,
und seine hohe Würd’
war lauter Heiligkeit.

Er konnte seinen Gott
ganz völliglich erkennen,
und aus des Herzens Grund
Ihn seinen Vater nenne;
des Schöpfers ganzen Will’n,
sein Wort und wein Geheiß
mit Lust er konnt erfüll’n
zu Gottes hohem Preis.

Der Leib viel schöner war,
als jemand konnt’ aussprechen,
er war frei von dem Tod,
von Krankheit und Gebrechen:
der thiere großes Heer,
was fleucht gen Himmel an,
wie auch die Fisch im Meer
ihm waren unterthan.

Durch Ungehorsam ist
dies Ebenbild verloren:
die Erbsünd’ aber wird
uns allen angeboren,
das nun die Menschenkind,
so vile ihr’r immer sein,
vor Gott sind eitel Sünd,
und keiner ist mehr rein.

Mein Gott, ich bitte dich,
dem alten Menschen steure,
im Geiste des Gemüths
rechtschaffen mich erneure:
damit mein ganzes leb’n
ohn’ alle Heuchelei,
zu Deinem Dienst ergeb’n,
und unbeflecket sei.