Zweierlei Bitt Ich Von Dir


Zweierlei bitt ich von Dir,
zweierlei trag ich Dir für,
Dir, der alles reichlich giebt,
was uns dient und Dir beliebt;
gieb mein Bitten, das Du weiß’st,
eh’ ich sterb’ und sich mein Geist
aus des Leibes Banden reißt.

Gieb, das ferne von mir sei
Lügen und Abgötterei,
Armuth, das die maße bricht,
und groß Reichtum gieb mir nicht:
allzu arm und allzu reich
ist nicht gut, stürzt beides gleich
unsre Seel uns Sündenreich.

Laß mcih aber, o mein Heil!
nehmen mein bescheiden Theil,
und beschere mir zur Noth
hier mein täglich Bißlein Brod;
ein klein wenig, da der Muth
und ein gut Gewissen ruht,
ist fürwahr ein großes Gut.

Sonsten möcht in Ueberfluß
ich empfinden Ueberdruß,
Dich verleugnen Dir zum Spott
fragen: wer ist Herr und Gott?
denn das Herz ist Frechheit voll,
weiß oft nicht, wenn ihm ist wohl,
wie es sich erheben soll.

Wiederum, wanns stehet blos,
und die Armuth wird zu groß,
wird es untreu, stiehlt und stellt
nach des Nächsten Gut und Geld,
thut Gewalt, braucht Ränk’ und List,
ist mit Unrecht ausgerüst’t,
fragt gar nicht, was christlich ist.

Ach! mein Gott mein Schatz, mein Licht!
dieses keines ziemt mir nicht:
beides schändet Deine Ehr’,
beides stürzt ins Höllen-Meer;
drum so gieb mir Füll und Hüll,
also wie Dein Herze will,
nicht so wenig, nicht zu viel